Einfamilienhaus im Kreis Göppingen

Fotografie: Schiller-Architektur

„Auszeichnung für beispielhaftes Bauen im Landkreis Göppingen 2002-2008“ der Architektenkammer Baden-Württemberg

Das Baugrundstück liegt in Ottenbach an einem Osthang mit Blick auf den Hohenstaufen und die Ortsmitte mit Kirche im Westen, den Albtrauf im Süden und den Rechberg im Nordosten. Die Erschließungsstraße befindet sich im Westen, das Grundstück fällt von Osten nach Westen um ca. ein Geschoss. Das Baufenster befindet sich in der Mitte des Grundstücks und schafft im Westen und Osten ähnlich große nicht überbaubare Grundstücksbereiche.

Wunsch der Bauherrschaft war ein zeitloser, kubischer Baukörper mit Garage und Praxisteil im Untergeschoss. Im Erd- und Obergeschoss sollten die Wohnräume Platz finden. Der Freibereich sollte sich nach Westen zur Aussicht hin orientieren, der östliche Gartenteil würde eine untergeordnete Rolle spielen.
Das Gebäude sollte trotz der Öffnung zur Straße möglichst viel Geborgenheit und Privatsphäre bieten.

Das Gebäude wurde am östlichen Rand des Baufensters errichtet und entwickelt sich von dort nach Westen. Der Hauptbaukörper befindet sich in größtmöglicher Entfernung zur Straße, dazwischen wird der private Freibereich und der Innenhof angesiedelt um eine Pufferzone zwischen Straße und Baukörper zu schaffen.
Die Terrasse im Westen orientiert sich zum Haus und wird durch eine Stahlbetonwand mit Dach, sowie durch eine Bambushecke vor Einblicken geschützt.

Man betritt das Gebäude durch einen geschützten Innenhof in dem der Besucher die Wahl hat zwischen einem Praxiseingang im UG und der Treppe zum Eingang im EG. Durch den Innenhof wird auch die Garage erschlossen. Im Untergeschoss befinden sich gewerblich genutzte Räume, Technik und Garage. Das eigentliche Wohnen findet im Erdgeschoss, ein Vollgeschoss über Straßeniveau statt und hat seinen Freibereich im Südwesten, der sich zur Straße hin geschlossen präsentiert um Einblicke in den Freibereich auszuschließen und eine gewisse Distanz zur Straße zu schaffen. Der Wohn-, Koch-, Eßbereich im EG wurde sehr offen gehalten und bietet Ausblicke auf den Hohenstaufen und den Ortskern mit der Kirche. Der Sichtschutz wird durch die Terrassenwand und die große Entfernung zur Straße gewährleistet. Im Obergeschoss befinden sich die Privaträume, die kleinere Öffnungen aufweisen und einen Blick bis zum Albtrauf bieten. Das rückwärtige Arbeitszimmer hat ein Ausblick auf die Burgruine Hohenrechberg.

Der Baukörper wurde mittels eines subtraktiven Prinzips entwickelt.
Ein Quader wird nach und nach ausgehöhlt und teilt sich in öffentliche, halböffentliche und private Bereiche. Mit zunehmender Privatheit nimmt die Möglichkeit eines Einblicks ab. So entstehen der Innenhof, der Freibereich, der Wohnbereich und die ganz privaten Zimmer im Obergeschoss.
Aufgrund der komplizierten Tragstruktur wurden die tragenden Elemente in Beton ausgeführt. Meist sichtbar belassen kontrastiert er mit verputzten Flächen und einem Boden aus dunklem Eichenholz, das eine warme Atmosphäre schafft. Insgesamt wurde mit minimalistischen Mitteln die Struktur des Gebäudes herausgearbeitet. Der Sonnenschutz wurde in die Fassade integriert, Öffnungen in der Fassade gezielt gewählt, die Verglasungen rahmenlos aneinander gestoßen.

Das Haus wird über ein LON-System (local operating network) gesteuert und kann über ein Touchpanel oder über PC gesteuert werden. Viele Funktionen wie Raumklima, Beschattung, Lichtkonzeption uvm. werden so gesteuert und teilweise automatisiert. Beheizt wird das Gebäude mittels einer Holzpelletsheizung und teilweise über einen Kaminofen im EG. Die Nachtauskühlung erfolgt über Kaltluft die aus dem Norden angesaugt und in das Erdgeschoss eingeblasen wird. Die Warmluft wird über ein an höchster Stelle liegendes Fenster mit Motorantrieb aus dem Gebäude geführt.