Fotografie: Brigida Gonzales, Stuttgart

<h2> Nachhaltiger Supermarkt in Wangen </h2>

Mit der Planung des Supermarktes in Wangen wurde ein Konzept entwickelt, das möglichst wenig Energie, sowohl in der Herstellung als auch im Betrieb, verbraucht. Als Vorbild für das Markt- und Belichtungskonzept dienten Wochenmärkte und Markthallen.
Um Tageslicht mittels senkrechten Öffnungen in das Gebäude zu bringen wechseln sich hohe und niedrige Bereiche ab. Auf ein Sheddach wurde verzichtet, da hier eine wesentlich größere Störanfälligkeit besteht, sollten die Kehlen mit Schnee bedeckt sein oder zufrieren. Gestalterisch entwickeln sich die Oberlichter aus dem horizontal strukturierten Baukörper und umgreifen ihn mit einer senkrechten Struktur. Der Eingang wird durch ein horizontal liegendes U markiert. Ein höheres Oberlicht unterstreicht die Eingangssituation zusätzlich.
Der Kunde betritt den Markt im Bereich des ca. 8m hohen Oberlichtes. Hier gewinnt der Kunde einen guten Überblick über den gesamten Markt, da die Regalierung auf 1,60m Höhe beschränkt wurde. An den Eingangsbereich gliedern sich Cafe, Bäckerei, Obstabteilung (Eingang) und Kassenzone an. Durch die natürliche Belichtung des Marktes umfängt den Kunden eine angenehme Atmosphäre was die Verweildauer im Markt erhöht (der Kunde fühlt sich wohl). Auch die Anzahl der gekauften Artikel pro Kunde erhöht sich durch die längere Verweildauer und
die besondere Atmosphäre (Zitat einer Kundin, die bei der Konkurrenz arbeitet und extra 5km fährt: „Der Markt verführt zum Kaufen“)

Der Betreiber und Bauherr unterstützte nicht nur das bauliche Konzept nach Kräften sondern brachte auch außergewöhnliche marktkonzeptionelle Dinge wie Getränkekühlraum und Bäckerei-Drive-In mit ein. Das Cafe öffnet sich mit seiner Terrasse zu einem schönen Ausblick auf die Schwäbische Alb und Obstbaumwiesen und schafft es so, sich vom normalen Image eines Supermarktcafes abzuheben was sich auch daran zeigt, dass das Cafe (das auch Mittagstisch bietet) sehr gut angenommen wird.

Heizung / Kühlung
Bei der Energiebilanz eines Supermarktes hat der Verbrauch an Heizenergie einen sehr geringen Anteil. Hauptaugenmerkt muss hier auf die Kühlung sowohl der Gebäude als auch der Waren. Das Gebäude wird durch eine Hülle mit guten Wärmedämmwerten vor den Witterungseinflüssen geschützt. Diese Hülle gewährleistet ein gleichmäßiges Klima. Die Dachbegrünung unterstützt dies zusätzlich. Im Sommer entsteht durch Wasserverdunstung ein kühlender Einfluss, im Winter wirkt die Begrünung als zusätzliche Dämmung. Durch die Raumhöhe entsteht eine günstige Temperaturschichtung. Die warme Abluft kann durch die Oberlichter entweichen, kühle Luft wird von unten nachgeführt. Dieses Konzept untersützt sowohl die Tag- wie auch die Nachtlüftung und sorgt für einen geringen Energieverbrauch bei der Gebäudekühlung.

Die Kühlräume und sonstige Kühlanlagen werden mittels einer zentralen CO2 Kühlanlage betrieben. Dies hat ausser dem umweltfreundlichen Kühlmittel CO2 den Vorteil, dass keine
Abwärme der Kühlanlagen in den Markt gelangt und den Markt aufheizt, wie dies bei Steckerfertigen Kühltruhen der Fall wäre. Die CO2 Anlage verbraucht für diesen Markt ca. 15% weniger Energie als eine konventionelle Kühlanlage. Die Abwärme aus der Kühlung wird zur Heizung und Warmwassererzeugung benutz.

Beleuchtung:
Der Markt wird mittels Oberlichter natürlich belichtet. Dadurch wird der Stromverbrauch des Marktes deutlich reduziert und das Tageslicht hat ein weit größeres Farbspektrum als die normalerweise verwendeten Lampen. Somit erfolgt das Einkaufen in einer sehr angenehmen, natürlichen Atmosphäre. Bei den eingesetzten Leuchten werden energiesparende Lampen und entsprechende Steuerungen eingesetzt. Es war vorgesehen die Oberlichter mittels eines Gitterrostes zu beschatten. Nach den Erfahrungen in der Bauphase wurde beschlossen auf die Verschattung vorerst zu verzichten, da im Markt durchgängig angenehme Temperaturen herrschten und das Gebäude weit davon entfernt war zu überhitzen.

Materialien:
Auswahlgründe für die Konstruktion waren: Ökonomie, Recyclingfähigkeit, Demontierbarkeit und geringer Energieverbrauch bei der Herstellung. Für das Haupttragwerk werden Holzfachwerkträger verwendet, das Nebentragwerk besteht aus gewalzten Stahlprofilen. Die Wände bestehen ebenfalls aus geschraubten Stahlkassetten die gut zu demontieren und zu recyceln sind. Die Verbindungen der Materialien wurden wenn möglich reversibel ausgeführt (z.B. geschraubt). Die Materialien Holz und Stahl bestimmen somit die Konstruktion und auch das Erscheinungsbild.
Durch die verwendeten Materialien wurde die Bauzeit auf genau 6 Monate zwischen Spatenstich und Eröffnung reduziert.

Tragwerk:
Der Lebensmittelmarkt mit Grundrissabmessungen 40 m x 60 m und 7,50 m Höhe ist eingeschossig und nicht unterkellert. Die Primärkonstruktion des Daches besteht im Nebenraumbereich aus konventionellen Brettschichtholzträgern. Über dem großen Verkaufsraum spannen Fachwerkbinder aus Holz stützenfrei über 34 m. Die Kopplung der Hauptträger erfolgt ausschließlich über die Trapezblecheindeckung, welche, als Schubfeld ausgebildet, die Horizontalaussteifung in der Dachebene bildet. Über die großflächige transparenten Mehrkammer- polycarbonatplatten an den Fachwerk-bindern wird der Markt hervorragend mit Tageslicht versorgt. Die Gründung erfolgt mittels eines Trägerrostes und Magerbetonplomben im tiefliegenden, tragfähigen Arietenkalk.

Brandschutz:
Durch die hohen Oberlichter und die darin liegende Entrauchung kann sich eine rauchfreie Schicht sehr lange aufrecht halten, da der Rauch zuerst die hohen Oberlichter füllt und dann auch abzieht. Auch die niedrige Regalierung sorgt im Brandfall für eine gute Übersicht sowohl für die flüchtenden Menschen als auch für die Feuerwehr. Ein Vorteil des Tragwerks ist auch, dass die Feuerwehr im Brandfall brennende Träger sehen und die Situation einschätzen kann. Beim Versagen eines Trägers wird dann auch nicht die gesamte Konstruktion sondern lediglich ein Feld in Mitleidenschaft gezogen, was einen Rettungseinsatz viel sicherer macht.

Pholtovoltaik:
Die Oberlichter und der westliche Teil des Flachdaches wurde zusätzlich noch mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet.